Lernprobleme

Legasthenie und andere Lernbehinderungen wie Dyskalkulie, Dyslexie, ADHS oder ADS haben eine Vielzahl verschiedener Symptome, die bei den Betroffenen jeweils unterschiedlich ausgeprägt sind. So kann etwa die Rechtschreibung falsch oder unbeständig sein, Wörter oder Buchstaben werden beim Lesen verändert oder übersprungen, Geräusche werden leiser oder lauter wahrgenommen als sie es sind, es gibt Schwierigkeiten mit der Handschrift, der Betroffene hat entweder zu viel Aktivität (Hyperaktivität) oder zu wenig (Hypoaktivität), verliert oft den Faden oder befindet sich häufig im Zustand des Tagträumens.

Die Gründe für diese Symptome sind nach Ron Davis die besonderen Wahrnehmungsprozesse eines Legasthenikers. Er denkt nicht nur mit inneren Bildern, sondern er besitzt auch die Fähigkeit, ein inneres Bild so zu erfassen, als ob es eine tatsächliche Wahrnehmung wäre. Wir alle kennen Wahrnehmungsillusionen, etwa zur Unterhaltung hergestellte optische Täuschungen, ein scheinbar schwankender Boden nach einer Bootsfahrt, ein Schwindelgefühl, nachdem man sich ein paar Mal um die eigene Achse gedreht hat oder das Gefühl, in einem fahrenden Zug zu sitzen, während doch der Nachbarzug fährt. Wir nehmen diese Wahrnehmungen wie real wahr, obwohl sie verzerrt sind. Bei einem Legastheniker wird dieser natürliche Prozess der Desorientierung auch durch Verwirrungen ausgelöst, die Symbole wie etwa Buchstaben bei ihm hervorrufen können. Dazu kommt eine sehr niedrige Verwirrungsschwelle. D.h. der Punkt, an dem man von etwas so verwirrt ist, dass man nicht mehr weitermachen kann, wird bei einem Legastheniker schneller erreicht als bei anderen. Nichts von diesen Merkmalen würde es rechtfertigen, jemanden als „nicht normal“ oder lernbehindert zu bezeichnen. Die Anpassung des Legasthenikers an diese Merkmale ist es, die folgenreich ist. Der Legastheniker entwickelt eine Vielzahl von Tricks und kompensatorischen Verhaltensmustern, die als zwanghafte Lösungen für nicht aufgelöste Verwirrungen dienen, den Lernprozess aber de facto verlangsamen, wenn nicht gar verhindern. Weit verbreitet sind etwa das Alphabet-Lied, extreme Konzentration, auswendig lernen, ungewöhnliche Körperhaltungen oder Bewegungen, Abhängigkeit von Anderen oder Vermeidung.

Was kann man tun? Das verstärkt bildhafte Denken, das der Legasthenie zugrunde liegt, stellt jenseits des Lesens und Schreibens ein Talent dar. Bildhaftes Denken ist nicht nur schnell, sondern es erweitert das Vorstellungsvermögen und spielt deshalb für die Kreativität eine große Rolle. Viele kreative Menschen sind Legastheniker, einige berühmte sind zum Beispiel Leonardo da Vinci, Walt Disney, J.F. Kennedy, Agatha Christie oder Pablo Picasso. Bildhaftes Denken ist eine Fähigkeit, die der Betreffende jedoch nicht kontrollieren kann und die ihn deshalb manchmal behindert. In der Davis-Orientierungsberatung wird dem Legastheniker in ungefähr 30 Stunden intensiver Einzelberatung die Kontrolle über seine Fähigkeiten vermittelt.

 

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